DER UNTERGEHER
Bernhard@Bach - synart

MARTIN SCHWAB

PlakatMartin Schwab, einer der ganz unverwechselbaren Schauspieler unserer Zeit, stammt aus Württemberg. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an den Max-Reinhardt-Seminaren in Berlin und Wien. Er spielte zuerst an der Landesbühne Neuwied, kann über Oldenburg und Ulm nach Stuttgart, von dort über Bochum und Frankfurt nach Wien ans Burgtheater. Seit 1982 regelmäßig auch bei den Salzburger Festspielen. Kammerschauspieler, Schauspieler des Jahres 1999, Nestroy-Preisträger 2000. Charakterschauspieler in klassischen und modernen Rollen. Uraufführungen in Stücken von Botho Strauß, Elfriede Jelinek, Peter Turrini, Peter Handke ‚Über die Dörfer’, Thomas Bernhard ‚Der Theatermacher’.Als es 1998 in Carnuntum galt, das Symposium OTIUM-NEGOTIUM mit einer Hommage an den Genius loci Marcus Aurelius künstlerisch zu beschließen, gab es für mich in der Riege der Olympier des deutschsprachigen Theaters eigentlich keine Wahl – es konnte nur Martin Schwab sein. Wenige Wochen später haben wir diese Zusammenarbeit mit der Aufnahme der CD ‚AVE MARC AUREL’ (cf. Omnibus 2000/Nr.1) fortgesetzt. Es freut mich, diesen großen Charakterdarsteller und Rezitator im Rahmen und als Start der Kulturinitiative SYNART TANZENBERG nun auch in Virunum, d.h. in Maria Saal, präsentieren und begrüßen zu können: AVE MARTIN SCHWAB. Lassen wir Martin Schwab schon jetzt im Omnibus kurz zu Wort kommen. Und da Spiel und Leben, Theaterbühne und Welt – naturgemäß müßte man fast sagen – zusammengehören, sind seine Worte über den konkreten Anlaß hinaus wohl für alle – omnibus – bedeutsam und bedenkenswert. In einem Interview für Ö1 – in der Sendung ‚Von Tag zu Tag’ (13. Februar 2001) – hat er sich folgend geäußert: Zu seinem Beruf als Schauspieler:
„Ich empfinde mich sehr oft – und bin sehr, sehr glücklich – als Teil einer Menschheits- und Geistesgeschichte. Es gibt ja nichts Schöneres, als Texte zum Leben zu erwecken, die Menschen vor uns auch durchlebt, erdacht, erdichtet haben.“ Zur Funktion des Theaters:
„Thomas Bernhards ‚Der Theatermacher’ handelt von unserem Beruf. Und die Maximen, die da verbreitet werden, gelten auch heute noch, gerade heute. Mir fallen da Sätze ein wie ’Auf die Irritation kommt es an. Das Theater ist nicht dazu da, eine Gefälligkeit zu erweisen. Das Theater ist keine Gefälligkeitsanstalt.’ Thomas Bernhard läßt so den Bruscon sagen. Und er läßt auch sagen ‚Auf das Wort kommt es an in meinem Rat der Geschichte, auf das Wort, auf die Wörter und auf das Schweigen dazwischen’. Und das finde ich so eine aktuelle Sache auch heute gegen den Strom der Zeit, wo man alles medial, schnell und vordergründig effekthaschend serviert bekommt, wenn das Theater dahin wieder kommt, daß man auch einmal Zeit zum Schweigen hat und die Sprache als Mittelpunkt sieht, wobei ich unter Sprache nicht tote Sprache verstehe, sondern gelebtes Wort – das ist schon eine besondere
Sache.“ Am 9. Februar 2001 wäre Thomas Bernhard 70 Jahre alt geworden. Seit Ende der 50er-Jahre stand er bekannterweise über das Anwesen des Komponisten Gerhard Lampersberg zu Maria Saal in einer Beziehung, die wohl am treffendsten als einfach kompliziert zu bezeichnen wäre.Vor diesem fast schon historischen Hintergrund laden wir alle ‚Tanzenberger’ ein zu einer Hommage an Thomas Bernhard, an Johann Sebastian Bach und an Glenn Gould, zu einem Termin ‚Literatur & Musik’, zu ‚Der Untergeher’ und den ‚Goldbergvariationen’, kongenial interpretiert von Martin Schwab im Verein mit dem glenngenialen Cembalisten Wolfgang Glüxam – SYNART.

Ernst Sigot

 

IMPRESSIONEN DER VERANSTALTUNG






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