IN PRINCIPIO - Ablauf

Ziel des Projekts IN PRINCIPIO ist es, die elementare Situation ‚In principio – Im Anfang’ multiperspektiv und multivalent – künstlerisch und diskursiv – auf verschiedenen Ebenen zu aktualisieren, also drei Geschichten vom Anfang der Welt zu erzählen:

den Mythos/Logos neuzeitlicher Physik (Franz Embacher, Universität  Wien)
den Mythos/Logos der Antike (Rezitation: Martin Schwab)
den Mythos/Logos der Bibel (Rezitation: Martin Schwab)

Texte: Aristophanes, Hesiod, Cicero, Ovid, Augustinus, Platon, Genesis, K.Müller, Ph. Neumann.
Idee und Konzept: Ernst Sigot

Der Zuhörer erhält auf diesem Wege einer cosmologia triplex drei Erklärungsmodelle und Diskursangebote, die er nach seinen Möglichkeiten in platonischer Weise zusammendenken bzw. zumindest überblenden soll. Diese drei Sequenzen von jeweils 25 – 45 Minuten sollen vom ‚hic et nunc‘ sich dem imaginären Zentrum nähern und dorthin tendenziell konvergieren.
Ort neuzeitlicher Naturwissenschaft ist das Haus der Begegnung in Maria Saal, Ort der Antike die Südseite des Doms mit Österreichs berühmtesten Römersteinen, Ort der Bibelgeschichten der Dom von Maria Saal. Örtliche Verschränkungen und musikalische Interventionen mit Saxophon (Gilbert Sabitzer) und Orgel (Gerda Heger) machen die Teile sinnfällig. Orientierung zwischen den Orten sind die Saxophonklänge Gilbert Sabitzers.

Ein Element von Otium mit der Möglichkeit zu weiterem Gedankenaustausch steht am Ende: ein Gartenfest mit Gerichten aus der CULINA ROMANA, naturgemäß nach dem Motto ‚ab ovo usque ad mala‘ / Vom Ei bis zu den Äpfeln‘ – kommunikativer Nachhall und amikal-sympotischer Ausklang: ‚dulce est desipere in loco – es ist angenehm, am rechten Ort unvernünftig zu sein‘ (Horaz).
Nützen Sie das Angebot des Gartens epikureisch und / oder im Sinne Platons, der den Sokrates einmal sagen läßt: ‚dimythologomen- ‚spinnen wir die Geschichten weiter‘. Ihre Eintrittskarte wird dabei zum Bon für ein kleines römisches Buffet, das die AMICI LINGUAE LATINAE vorbereitet haben.

Ernst Sigot (2.7.2010)

 

 

Denn Chaos und Nacht und Erebos war anfangs und des Tartaros Öde,
nicht Himmel noch Erde noch Luft war da; doch in Erebos totem Geklüfte
da gebar jetzt windesbefruchtet die Nacht, die schattenbeschwingte, das Urei,
aus dem in der  Monde vollendetem Kreis die verlangende Liebe zur Welt kam,
ihr Rücken mit goldenen Flügeln geschmückt, sie selbst wie die Wirbel der Windsbraut.
Sie nun dem geflügelten Chaos gepaart, ausbrütete sie in dem Schoße
des umschatteten Tartaros unser Geschlecht und ließ es zum ersten Male das Licht sehn.
Und es ward da der Götter Geschlecht nicht eh’r, bis alles in Liebe sich mischte,
denn indem sich je Andres mit Andrem verband, ward Wasser und Himmel und Erde.

Aristophanes, Die Vögel (414 v. Chr.)

 

 

 

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