AUS.BILDUNG

Zur Einstimmung in die Thematik:

Ausschnitt aus dem Moderationstext zum Symposion AusBildung (24.11.2001):
‚Von A bis A: Lemma Assoziationen‘

Ob Ausbildung das Aus für Bildung oder ob Bildung ohnehin Ausbildung bzw. Ausbildung Bildung ist, kann immer wieder gefragt werden; ebenso ob Ausbildung das Gegenteil von Bildung und somit Unbildung ist. Oder ist Einbildung das Gegenstück zu Ausbildung oder wäre nicht vielmehr Unausbildung das Gegenteil und somit Bildung? Und was schafft die Schule, die allgemein bildende höhere Schule: Unausgebildetete, also Gebildete, oder Ausgebildete oder nur Eingebildete, Scheingebildete?

Ernst Sigot

 

Zur Bildung gehört das Nachdenken – die Zeit für Um- und Abwege, das Bedenken der Folgen des Gedachten, die Kritik und die Kritik der Kritik, das Schlendern und Flanieren, die Umkehr und der Neuanfang, die verzweifelte Einsicht, der ungegängelte Dialog, die Ziellosigkeit der Gedankenwege, die Lust am folgenlosen Experimentieren, der beharrliche Zweifel und vieles mehr. Zur Bildung und zur Erkenntnis gehört es, dass man ihr im Kreis von Freunden und nicht im Umfeld von Konkurrenten nachgeht. Sobald ich meine Bildung mit dem scheelen Blick auf den beargwöhnten Nebenbuhler „vorantreibe”, habe ich die Möglichkeit, mich zu bilden, Einsicht und Erkenntnis zu gewinnen, bereits verspielt. Die Neugier, der Durst nach Erklärung, Einsicht und Sinn weichen dem eisernen Willen zu siegen, Vorteil zu ergattern und Position zu gewinnen.
Folglich: Bildung und kapitalistische ,Vernunft’ schließen einander kategorisch aus.

Marianne Gronemeyer (2005)

 

Rückblick auf 2001, Vorblick auf 2009

Im November 2001 fand innerhalb der Kulturinitiative SYNART TANZENBERG als erste diskursive Veranstaltung das Symposion AUS.BILDUNG statt. Fast 100 aufmerksame Zuhörer hatten sich am 24.11.2001, einem Samstag, im Apsisspeisesaal eingefunden, um zwei prominente Referenten – Marianne Gronemeyer und Manfred Jochum – persönlich zu erleben, zu hören und um mitzudiskutieren. Die Idee damals war, Eltern, Interessenten und Schülern die Zeit, den Raum und die Gelegenheit zu geben, an einer allgemeinen und grundsätzlich-philosophischen Bildungsdiskussion sich zu beteiligen.
Die äußeren Umstände waren günstig: der freie Samstagvormittag gewährte – vor dem Abholen der Kinder von der Schule – die nötige freie Zeit und Muße, mit Bildungsfragen auf hohem Niveau und unter einer allgemeinen Optik sich ungestört und ruhig auseinandersetzen zu können. Die Veranstaltung damals war immerhin innerhalb weniger Wochen die Basis für ein Salzburger Nachstudio in Ö1 zum Thema ‚Bildung versus Ausbildung‘.
Die baldige Umstellung der Schule auf die 5 Tage-Woche hat diese einmalige Chance, auch weiterhin in einen Dialog zu treten, uns genommen. Die neu eingeführte 5 Tage-Woche ließ in ihrer negotiosen und mitunter hektischen Geschäftigkeit das nötige und angenehme Otium, das offene Quantum Zeit, in Verlust geraten und sie bietet im vollen Wochenplan mit seinem starren 50-Minuten-Takt diesen FreiRaum und diese FreiZeit nicht mehr.
Die Vorträge vom 24.11.2001 wurden gleich darauf im Omnibus 2002 publiziert. Um auch 2009 Interessenten die Möglichkeit geben, an dieser Diskussion – zunächst virtuell – sich zu beteiligen, machen wir die Vortragstexte von damals auf diesem Wege wieder zugänglich und wollen und werden an dieser Stelle auch in Zukunft Beiträge zu dieser immer aktuellen Thematik einem breiteren Kreis von Interessierten als Anregung und Diskussionsgrundlage zur Verfügung stellen, als erstes mein Statement „DISCO:  Lehren - Lernen – Leben“, das ich anläßlich der Siegerehrung bei der Latein- und Griechischolympiade am 18.3.2009 in der Aula der Pädagogischen Hochschule Klagenfurt gehalten habe.
Nicht nur der Umstand, daß dabei 4 Tanzenberger Schüler als Sieger hervorgingen, machen diese Ausführungen besonders aktuell.

Ernst Sigot


AUS.BILDUNG
24.11.2001
Symposion mit Marianne Gronemeyer,
Manfred Jochum, Ernst Sigot.


Manfred Jochum: WISSEN versus BILDUNG
Heutigentags werden die Begriffe ‚Information’, Wissen’ und Bildung in wenig differenzierter und Weise und recht unsinnig allzuoft synonym verwendet. Saubere begriffliche Trennung und Besinnung auf die genuine Bedeutung und die divergenten Ansprüche der genannten Begriffe tut also not: Informationen muß man glauben, Wissen muß man sich erarbeiten und Bildung erschein heute zunehmend aus der Mode zu kommen, weil sie ja nicht unmittelbar brauchbar und verwertbar ist. Da ist jedoch einen gefährliche Entwicklung, droht doch der Bildung das Aus – durch Ausbildung


Marianne Gronemeyer:  INNOVATION versus ERNEUERUNG
Wir leben in einer Zeit, in der das Neuern; Bessern und Optimieren zum gesellschaftlichen und individuellen Hauptzweck des Daseins geworden ist. Dem Vernehmen nach geht es bei dieser Anstrengung um die Vermeidung überflüssigen Leids. Wie nun aber, wenn die modernen Leiden und Katastrophen nun gerade daraus erwachsen, daß nichts bleiben darf, wie es ist? Wien, wenn der Kampf gegen den Schrecken zu einer Modernisierung des Schreckens führt. Wie, wenn mit den Anstrengungen der Leidbeseitigung die Menschen sich selbst beseitigen? Innovation und Modernisierung haben mit Erneuerung nichts gemein.
Diese These bedarf gewiß der Erläuterung.


Bildimpressionen


Manfred Jochum, Ernst sigot
Marianne Gronemeyer

 

Zum Nachlesen

:
Pressebericht zum Symposion: Kärntner Kirchenzeitung (2.12.2001)
Manfed Jochum: Bildung versus Wissen
Marianne Gronemeyer: Innovation versus Erneuerung

Wendelin Schmidt-Dengler: Vom Nutzen des Unnützen
Ernst Sigot: DISCO:  Lehren - Lernen – Leben
Rudolf Taschner: Sprache - das "Haus des Seins"

 


Unbenanntes Dokument